Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Altenholz

Predigt vom Gründonnerstag, 29.03.2018

Die Freunde, und Freundinnen, von Jesus, sie müssen sich nun endgültig auf den Abschied vorbereiten:

Mehrfach hatte Jesus ihnen das angekündigt.

Eigentlich hatten sie Zeit, sich innerlich darauf vorzubereiten.

Eigentlich hätten sie bereit sein müssen.

Eigentlich hätte sie loslassen können.

Eigentlich hätte sie die Trauerarbeit beginnen können.

Eigentlich.

Aber:

Sie sind menschlich, seine Freunde.

Sie sind da wie wir.

Es gibt so viele unterschiedliche Arten, mit einem Abschied umzugehen.

Mit dem Loslassen umzugehen.

Lasst uns davon hören, wie die Freunde von Jesus es mit dem Loslassen handhaben:

A: Er sagt, er will uns verlassen: Ich habe Angst, große Angst! Wie soll es nur weitergehen, zu Jesus habe ich großes Vertrauen. Wenn er in meiner Nähe ist, habe ich das Gefühl: Alles wird gut. Er strahlt so eine Selbstgewissheit, so eine vertrauenserweckende Stärke aus. Ohne ihn geht die Welt unter.

B: Jesus sagt, er geht, für immer? Nein, nein. Er bleibt. Vielleicht geht er mal kurz weg, aber ohne Jesus geht es nicht. Wie schön sind die gemeinsamen Gespräche, die Diskussionen. Ich bin begeistert von Jesus, er wird nie weg gehen, das weiß ich genau.

C: Ich bin sauer, stinkesauer auf die Römer, auf die Hohenpriester, auf Judas! Die sind alle schuld, dass er bald weg ist. Verdammt! Wir, seine Freunde, haben doch alles getan, damit es ihm gut geht, haben alles verlassen, um ihm zu folgen. An uns liegt es jedenfalls nicht.

Verdrängen, voller Angst, die Schuld woanders suchen:

So kann man mit dem angekündigten, oder tatsächlichen Abschied umgehen.

Aber loslassen kann man so nicht.

Und:

Anfangen zu trauern kann man so auch nicht.

Aber:

Wie kann das gehen?

Hören wir auf den 4. Jünger:

D: Meine Güte, es ist wahr: Jesus geht.

Für immer. Das tut weh, das schmerzt. Mir ist, als würde mein Herz brechen. Ich denke an all die schönen, aber auch die schwierigen Zeiten mit Jesus.

Manchmal denke ich, hat er uns nicht so richtig ernst genommen, zum Beispiel als das Boot im Sturm fast gekentert wäre, und er hinten pennte. Und dann sagt: Wir hätten einen kleinen Glauben. Leicht gesagt. Aber es war superschön mit ihm: Lange intensive Gespräche, da werde ich vermissen, und zechen konnte er, Hut ab!

Und wie er Menschen begeistern konnte, durch seine Art zuzuhören, durch seine liebevolle Art, einen anzuschauen, durch seine mitreißende Art zu reden.

Das alles werde ich in meinem Herz bewahren. Das ist so wertvoll. Und:

Ich sehe einen Sinn darin, dass ich ihn kennen durfte. Ja, durch ihn habe ich Liebe gespürt.

Und die wird weiterleben.

Diese Liebe werde ich weitergeben, das ist sein Vermächtnis an mich.

Und so kann ich ihn auch gehen lassen: Voller Trauer.

Und voller Dankbarkeit.

Das ist auch eine Art, loszulassen.

Abschied zu nehmen.

Sich seinen Gefühlen zu stellen.

Sie im Herzen zu spüren, auch mit dem Schmerz.

Einen Sinn im gemeinsamen Leben zu finden, der über das Leben hinausgeht.

Sich das kostbare bewahren.

Und ich bin sicher:

Alles bleibt bewahrt. Nichts geht verloren.

Das Leben hat immer Sehnsucht nach sich selbst.

Und es tut gut, sich dem Leben auszusetzen.

Dazu gehört auch der Tod.

Die Trennung.

Der Abschied.

Loslassen, um bereit zu sein für das Leben.

Sich nicht an den Tod verlieren.

Meine Lieben, nachdenkliche Gedanken am Gründonnerstag.

Wenn ihr mögt:

Kommt ins Gespräch darüber.

Oder lasst das Gehörte ein wenig sacken…

Amen