Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Altenholz

Passionsandachten 2015 – 18. Februar – Pastor Okke Breckling-Jensen

Leiden an unserer Kirche

Darf ein Pastor an seiner Kirche leiden? Ist ein Pastor nicht dazu da, alles dafür zu tun, dass die Kirche gut dasteht?

Ein kleiner Umweg: Bibel verschweigt auch nicht die schwierigen Seiten, zB der Urchristenheit:

Der Rangstreit der Jünger, wer wichtiger ist… Der wurde von Jesus Christus geschlichtet. Beim Konflikt zwischen Paulus und Petrus, waren sie noch dicht dran an Jesus Christus und seinem Geist. Sind wir nicht mehr, wir sind weiter entfernt.

Konflikte gehören zum Menschsein dazu, sind uns mitgegeben. Und Kirche besteht aus Menschen. Und immer, wenn Menschen zusammen kommen, ist Raum für Konflikte da. Nichts Schlimmes, finde ich.

Schlimm wird’s erst, wenn diese Konflikte hierarchisch und nicht inhaltlich ausgetragen werden. Hat Kirche überhaupt eine Hierarchie, also ein oben und ein unten? Sind wir nicht alles Kinder Gottes, also Geschwister?

Auch, und doch: Gibt es in der Kirche Bestimmer und die anderen!

Und ich bin mir sicher, dass es auch richtig ist, dass es Bestimmer gibt. Solange sie das auch kommunizieren, solange ihre Entscheidungen nachvollziehbar sind, fair sind, der Sache und den Menschen dienen. Also auch dem Geist der Kirche Jesu Christi entsprechen.

Ich fürchte, dass das noch sehr theoretisch klingt. Und dass vielleicht das eine oder andere Beispiel erwartet wird. Vielleicht hätte ich einfach meine Personalakte aus dem Kirchenamt mitbringen sollen.

Ich hatte vergangene Woche einen Termin im Kirchenamt, der zuständigen Behörde, weil ich etwas geklärt haben wollte. Ich war pünktlich da, musste aber 5 Minuten warten. 5 Minuten sind nichts, kann passieren, und die Mitarbeiterin hatte diese 5 Minuten noch nicht einmal zu verantworten, aber wie sich auf einmal mein Magen zusammenklumpte, ich nervös, aufgeregt wurde:

All meine Erfahrungen mit Kirche waren mit einem Schlag präsent: Ein Ausbilder, der mich dazu gebrauchte, seine psychologischen Fallstudien an mir zu betreiben, seine Probleme auf mich übertrug, um an sich zu arbeiten. Mir auf 7 Seiten attestierte, dass und warum ich für den Beruf des Pastors nicht geeignet sei.

Ein Ausbildungsreferent, der mir auf meine Frage, ob es eine Stelle für mich gäbe, kalt sagte: Für Sie nicht. Obwohl ich dem Rat gefolgt war und für ein Jahr Erfahrungen in einer deutschen Gemeinde im Ausland, in Sydney machte.

Ein Kollege, der mich an den Rand der Arbeitsunfähigkeit brachte und sämtliche Schutzmechanismen der Kirche, obwohl zugesagt, versagten. Da gab es Mobbing pur. Und ein Versprechen des Kirchenamts, wenn das geschehen würde, würde der Kollege amtsenthoben werden. Gespräche mit leitenden Personen, inklusive des Bischofs, brachten nichts, es wurde vertröstet. Und ohne eine Riesenunterstützung aus Teilen der Gemeinde, meines Freundeskreises, meiner Frau, wäre ich vermutlich in der Psychiatrie gelandet, nicht als Seelsorger, sondern als Patient.

Ist es verwunderlich, dass ich da weg wollte? Ging nicht, ich war als PzA nicht bewerbungsfähig.

Und dass es auf Landeskirchenebene in der Jugendarbeit den dringenden Wunsch gab, mich zu bekommen? Abgelehnt.

Ich könnte noch lange weiter erzählen: Von Menschen, die ihre Position missbraucht haben. Die von der Liebe Gottes meilenweit entfernt sind. Die nicht mehr am Menschen dran sind. Die, scheinbar, das Beispiel Jesu von der Liebe zu den Schwachen vergessen haben. Die sich hinter Paragrafen und Vorschriften soweit verschanzt haben, dass sie nicht mehr sehen, wozu Kirche da ist: Für den Menschen.

Und wir PastorInnen können nur für die Menschen in unseren Gemeinden und Einrichtungen da sein, wenn wir den uneingeschränkten Rückhalt unserer Verwaltung und der Leitungseben haben. Nur dann kann Kirche funktionieren. Und so einmal war ich dicht daran, komplett der Kirche den Rücken zuzukehren, nicht nur beruflich, sondern auch als Mitglied.

ABER:

Erstens liebe ich diesen Beruf.
Zweitens: Ist mir Kirche zu wichtig, um sie irgendwelchen Paragrafenreitern zu überlassen.
Und drittens: Habe ich das Gefühl, dass ich die Botschaft von der Liebe Gottes zu all seinen Geschöpfen noch lange weitertragen möchte.

Damit ist noch lange nicht alles gut. Es wird weiter Dinge geben, die mich leiden lassen an meiner Kirche. Aber es gibt auch positive Entwicklungen, auch im Kirchenamt, da passiert auch Gutes, keine Frage. Und das Gespräch verlief auch sehr positiv. Und dass meine Bauchschmerzen viel mit meinen früheren Erfahrungen zu tun hatten, und nicht den heutigen, sei auch erwähnt. Und aus Liebe, aus ernster tiefer Liebe zur Kirche Jesu Christi und den Menschen, die in ihr wirken, bleibe ich ihr verbunden.

Amen