Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Altenholz

Impuls zum Palmsonntag, 05.04.2020

von Pastor Dirk Große

Psalm 69 (übertragen)
„Das wird schon wieder! Gott lässt dich nicht im Stich.“

Wie kann ich das glauben? Wie kann Gott all das zulassen?

„Kopf hoch. Gott ist bei dir.“

Immer? Ist Gott auch am 11. September da gewesen?
Bei den Menschen in den Aufzügen, in den einstürzenden Wolkenkratzern,
in den abstürzenden Flugzeugen, bei den traurigen, zuhause wartenden, im Angesicht des Todes verzweifelnden und die Terroristen hassenden Menschen?
Dort überall ist Gott gewesen? Sicher?

„Glaube mir, Gott selbst hat geschrien, hat mit dem Tod gerungen und ist elendig vor aller Augen in größter Einsamkeit verreckt. Glaube mir, Gott bleibt an der Seite der Leidenden.“

Worte zum (Be-)denken
Jubel. Euphorie. Ein Teppich aus Palmenzweigen wird ihm ausgelegt. Jesus wird empfangen wie ein König. Die Begeisterung scheint keine Grenzen zu kennen. Jubel überall.

Dieser Palmsonntag hat etwas doppelbödiges. Denn: wenige Tage später schlägt dieser Jubel in sein Gegenteil um. Aus Jubel wird Fluch. Warum?

Jesus hatte die (falschen) Erwartungen enttäuscht. Die Menschen wollten, dass er all das Schlechte, die üblen Mächte, die tödlichen Labyrinthe mit einem Fingerstreich abschafft. Aber das trat nicht ein. Stattdessen kam dieser Jesus, um all ihnen den Weg zu zeigen, den sie zur Abschaffung allen Übels selbst gehen können und sollten. Er zeigte den Menschen mit seiner Lebenshaltung den richtigen Weg, der zu gehen ist und sprach von NACHFOLGE.

Unsere gegenwärtige Krise wirft in mir die Frage auf: welchen (falschen?) Idolen und Erwartungen sind wir gefolgt? Wo haben wir im Stillen gejubelt? Dieser ernsthaften Anfrage sollten wir nicht ausweichen!

Wie wollen wir stattdessen Nachfolge mit Leben füllen? Wofür hat Jesus Christus, dessen Namen wir tragen, gelebt? Nächstenliebe, Gemeinschaft, Teilen!

Es gibt deutliche Hinweise, dass in dieser verstörenden Krise dieser Dreiklang kräftiger wird.

  1. Ein 79 Jähriger rief mich vor wenigen Tagen an, um mir zu sagen, wie glücklich er sei. Er habe eine sehr an Schmerzen leidende Frau zur Krankengymnastik gefahren. Ihre Dankbarkeit sei ihm zum Glück geworden.
  2. 13 und 14Jährige teilen unsere Briefe aus. Man spürt, dass sie es gerne tun. Ihre Postbotenaktion stiftet Gemeinschaft und vermittelt soziale Wärme.
  3. Eine Altenholzerin schrieb uns: „Ich danke Ihnen sehr für die Texte und Ihre persönlichen Worte.  Ich war erstaunt, an mir festzustellen, wie sehr mich dieses Zeichen „der Kirche an meiner Seite“ berührt hat. Wie schön war es, gestern das Glockengeläut bewusst zu hören.“

Drei Zeichen der Nachfolge! Vielleicht werden wir in einigen Monaten sagen: die zurückliegenden Monate haben uns gestärkt. Unsere Schwerpunkte haben sich verändert. „Miteinander und Nächstenliebe“ haben mehr Luft zum Atmen bekommen.

Lied (EG 97, 2+3)

Gebet (lag in meinem Briefkasten)

Gott sei mir ein starker Fels.
Schenke mir Begegnung im Abstand
Schenke mir Zuversicht in meinen Ängsten
Schenke mir ein fröhliches Lachen
von Straßenseite zu Straßenseite
Schenke mir Mut, mit mir allein zu sein
Und einen offenen Blick für die vielen
kleinen Wunder des Tages.
Behüte mich, behüte uns alle auf unseren Wegen

Amen

Segen
Gott segne dich und behüte dich
Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig
Gott erhebe sein Angesicht auf dich
und schenke dir seinen Frieden.
Amen