Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Altenholz

Impuls zum Mittwoch, 29.04.2020

von Diakonin i.V. Linda Schiffling

Psalm 100
Jubelt laut! Jubele der Einen zu, du ganze Erde!
Dient der Einen voller Freude,
kommt vor ihr Angesicht mit Jubelrufen!
Erkennt: die Eine, nur sie ist Gott.
Sie hat uns gemacht – ihr gehören wir.
Ihr Volk sind wir, die Herde ihrer Weide.
Kommt in ihre Tore mit Dank, in ihre Höfe mit Lobgesang!
Dankt ihr, segnet ihren Namen!
Ja, gut ist die Eine! Von Dauer ist ihre Freundlichkeit,
von Generation zu Generation währt ihre Zuverlässigkeit.

Worte zum (Be-)denken
Jubelnde Freude – das würden einige auch dem Buch Kohelet im Alten Testament, als Prediger bekannt, zuschreiben. Prediger der Lebensfreude, weil er von einem Gott redet, der den Genuss des Guten schenkt.

Einige würden dem aber widersprechen. Da schreibt ein depressiver Pessimist, der andauernd widersprüchliche und gegensätzliche Aussagen von sich gibt und den Menschen das schwere Leben aufzeigt. Denn von Menschen wird verlangt, gut und verantwortlich zu handeln.

„Kohelet widerspricht weisheitlichen Traditionen, macht seine eigenen Gedankenfortschritte zunichte, klammert sich an Sicherheiten, die wieder fraglich werden, und trifft Aussagen, die ebenso wahr erscheinen wie ihr Gegenteil. Eine Grundaussage, mit der Kohelet beginnt und die refrainartig immer wiederkehrt, lautet: Alles ist häwäl: „Windhauch“ oder „Dunst, wie das hebräische Wort häwäl wörtlich zu verstehen ist […] Bei aller Resignation, allem Zweifeln und Verzweifeln an seiner Welt erhebt Kohelet immer wieder seinen Blick zur Sonne und erkennt, dass Gott den Genuss des Guten schenkt.“ (D. Dieckmann)

Die besonderen Wochen der Einschränkungen und des Verzichts zeigen: Menschen handeln verantwortlich. Menschlichkeit und Rücksicht sind gerade stark. Das gesundheitliche Wohl aller steht für Viele vor wirtschaftlichen Interessen. Aber in der Freiheit eingeschränkt zu sein, belastet und sorgt für mehr als nur Unmut. Nicht jede*r akzeptiert das und findet die Maßnahmen verantwortungsvoll.

Also ganz wie im Buch Kohelet. Da ist der depressive Pessimist und da ist der Prediger der Lebensfreude. Da ist all das dazwischen. Und das alles vereint in einer Person. Das passt. Denn Widersprüche und Irrungen und mal umkehren und dann doch wieder verharren, das gehört zur Menschlichkeit. So ist das. Eine*r freut sich über die Maskenpflicht. Eine*r fragt sich, wie es klappen soll, mit beschlagener Brille die Produkte im Laden erkennen zu können. Eine*r genießt die Sonne. Eine*r schaut traurig zum Fenster raus.


Und, wo befinden sich gerade ihr*e depressive*r Pessimist*in und ihr*e Prediger*in der Lebensfreude?



Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu. (Prediger 9,10)

Segen (nach Koh 9,7-9)
Geh‘ und genieße die Freuden des Lebens.
Lebe frohen Herzens,
denn Gott gefällt seit langem schon, was du tust.
Genieße das Leben mit den Menschen, die du liebst,
an allen Tagen deines in häwäl vergehenden Lebens.
Das ist dein Anteil in deinem mühevollen Leben unter der Sonne.
Geh‘ und genieße Gottes Segen.
Amen