Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Altenholz

Wort zum Sonntag

Letzte Dinge

Letzte Dinge

November. Graue, dunkle Tage. Tage, die von Nachdenklichkeit, Gedenken, Erinnerungen geprägt sind. In diesen Tagen verabschiedet sich mein Vater aus dem Leben. Ein Sturz vor zwei Monaten hat den Alltag auf den Kopf gestellt: Oberschenkelhalsbruch, zwei Operationen. Sein Zuhause ist nun das Krankenhaus in Hamburg. Mich erschrickt, wie rasant das Leben meines Vaters dem Ende zurast. Vor drei Wochen hatte er noch gefragt: Was macht Tobias? Wie geht es Manuel in Saarbrücken? Vor zwei Wochen kam Merle aus Mainz. „Hallo Opa,“ sagt sie mit Tränen in den Augen und umarmt…

Jetzt noch besser, schöner, schneller…

Ich kann es nicht mehr hören oder lesen: Diese Tipps, wie man ein besserer Mensch werden kann: Achtsamkeitstipps allerorten. Die neueste Diät, 4 Kilo pro Woche abnehmen, ohne zu hungern. Hier noch was Gutes tun, dort noch das Auto stehen lassen. Überhaupt: Mehr Bewegung, gesünder ernähren. Dankbarer sein, freundlicher werden. Mehr Lächeln, weil das ja so gut tut. Wohltuende Cremes und Öle. Einschlaftipps und und und… Es nervt. Ja, es nervt mich kolossal!!! Alle wollen mir Defizite ohne Ende einreden. Und dann mit mir Geld verdienen, oder die Welt nach…

Wort zum Sonntag – Treu

Wort zum Sonntag – Treu

Wie weggeworfen lag das Stück Papier auf der Straße.  Jule kam gerade vorbei, als ein Windstoß das Papier hochwirbelte. Intuitiv fing sie den Fetzen auf und fand darauf einen kurzen Satz geschrieben. „Was liest du da?“, fragte eine Freundin, die Jule auf dem Fußweg entgegenkam. „Ach, nix Besonderes“, antwortete Jule, steckte den Zettel in ihre Manteltasche und vergaß ihn. Der Sommer kam mit seiner wunderbaren Wärme. T-Shirt Wetter. An einem Oktobertag holte Jule ihren Mantel aus dem Schrank. Draußen regnete es ein wenig. Es war frisch geworden. Jule steckte im…

Wort zum Sonntag

Mitarbeiterbesprechung Dienstagmorgen 8,30 Uhr, Raum 5. Das erste Mitarbeiterfrühstück des Jahres. Einige hatten ein paar Tage frei, um sich von den vergangenen Tagen zu erholen, andere nicht. Wir freuten uns, uns wieder zu sehen, zu hören, wie wir die Weihnachtstage erlebt haben: Die Kirchenmusikerin, die Küsterin, Reinigungskraft, Pastoren, Vikarin, KiTa-Leiterin, Hausmeister, Gemeindesekretärin. Die Gottesdienste waren mehr als gut besucht, einige übervoll. Viele Gottesdienste waren es. Die eine Botschaft, dass Gott Mensch geworden ist, wurde immer wieder unterschiedlich übersetzt: Für das Pflegeheim, die Kinder und Familien in den Krippenspielen, die Erwachsenen.…

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Die Vergangenheit Vor 44 Jahren hatte sie geheiratet. Mit 25 Jahren wurde sie Mutter eines Sohnes, der mit 10 Monaten starb. Zwei Jahre später brachte sie ihre Tochter Andrea zur Welt. Andrea verunglückte mit 25 Jahren tödlich, als ein Auto sie auf ihrem Rad erfasste. Ein Jahr später zerbrach ihre Ehe. Mit 54 Jahren erkrankte sie an Parkinson. Mit 57 wurde sie berufsunfähig. Mit 63 Jahren musste sie ihre Wohnung in Kiel aufgeben. Seit 2014 lebt sie in einem Pflegeheim. Die Gegenwart Frau K. nimmt viele Tabletten. Sie sitzt im…

Wort zum Sonntag

Ich gehe spazieren. Schlendere über den nahegelegenen Marktplatz. Ich: Weiß. Alle anderen: Schwarz. Es ist in einer kleinen Stadt im Südwesten von Tansania. Alle schauen auf mich: Na klar, ich sehe anders aus. Gehöre ich nicht hierher? Ein Standbetreiber lacht mir zu, winkt mich heran, zeigt mir seine Waren: Gewürze und Zwiebeln. Mit Händen und Füßen unterhalten wir uns, ich schnuppere an den Gewürzen. Gehe dann weiter, ich brauche gerade nichts. Als ich eine Stunde später auf dem Rückweg bei ihm vorbeikomme, winken wir uns fröhlich zu. Doch, ich darf…

Wort zum Sonntag

Wort zum Sonntag

Neues Leben Seit drei Jahren hatte Herr P. seine Unterkunft nicht mehr verlassen. Obwohl er erst 67 Jahre alt ist, lebt er seit 2013 im Pflegeheim. Das Schicksal von Herrn P. hatte mich nach unserer ersten Begegnung sprachlos gemacht. Nach dem Tod seines Sohnes war seine Ehe zerbrochen. Der zweite Sohn starb an den Folgen eines Aneurysmas vor 20 Jahren. Danach erkrankte Herr P. an Parkinson und wurde mit 54 Jahren als Krankenpfleger berufsunfähig. Inzwischen vermag er nicht mehr zu schreiben. Zu zittrig sind seine Hände. „Wie geht es Ihnen,…