Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Altenholz

Gedanken

Menschlichkeit

Menschlichkeit

Letzten Samstag. Hamburg. 22.00h. Hauptbahnhof Süd. Ich entsteige der U3.  Hunderte Menschen strömen durch die unterirdischen Gänge. Ein Mann sitzt vom Neonlicht beschienen auf dem kalten, dreckigen Boden. Ein Bein hält er gestreckt. Es sieht schlimm aus. Überhaupt: der ganze Mensch ist gezeichnet. Von Drogen oder Alkohol? Oder beidem? Von Einsamkeit? Von Leid? Von sozialer Verwahrlosung? Er hält die Hand auf. Alle gehen vorbei. Ich auch. Mal wieder. Im Zug nach Kiel habe ich den Mann vor Augen. Ich frage mich: Was hätte ich ihm Gutes tun können? „Christus spricht:…

Wort zum Sonntag

Ich gehe spazieren. Schlendere über den nahegelegenen Marktplatz. Ich: Weiß. Alle anderen: Schwarz. Es ist in einer kleinen Stadt im Südwesten von Tansania. Alle schauen auf mich: Na klar, ich sehe anders aus. Gehöre ich nicht hierher? Ein Standbetreiber lacht mir zu, winkt mich heran, zeigt mir seine Waren: Gewürze und Zwiebeln. Mit Händen und Füßen unterhalten wir uns, ich schnuppere an den Gewürzen. Gehe dann weiter, ich brauche gerade nichts. Als ich eine Stunde später auf dem Rückweg bei ihm vorbeikomme, winken wir uns fröhlich zu. Doch, ich darf…

Weihnachtsbitte

Weihnachtsbitte

Wir bitten Gott, den Allmächtigen, er möge uns behilflich sein: Dass wir Weihnachten nicht wie Karneval feiern, dass wir das Wunder von Bethlehem nicht mit einem Musical plus Vier-Gänge-Menu plus Reeperbahn plus Förde-Rundfahrt plus Candlelightparty verwechseln. Sondern, dass wir die Stille und das Heilige, nicht nur in der heiligen Nacht, neu entdecken – unser kleines und endliches Sein spüren, aber mit Jesus gewissermaßen neu auf die Welt kommen, auch wenn wir schon betagt sind. Große Freude ist uns verkündigt worden. sie soll in uns leben, Erbarmen und Zuversicht werden, uns begleiten.  Christus ist unter…

Gott wird Mensch

Wunschkonzert im Pflegeheim. Es ist Mittwoch nach dem zweiten Advent. „Ich wünsche mir Schneelöckchen, Weißröckchen“, sagt Herr M. Susanne stimmt die Melodie an und dann singen wir. Danach wird „Ihr Kinderlein kommet“ gewollt. Und dann „Leise rieselt der Schnee.“ Der Gesang wird immer wärmer und lebendiger. Wir fluten den Raum mit weihnachtlichen Klängen. Und der Klang beginnt uns zu tragen. Alle singen. Alle! Auch die, die sonst nur stumm auf ihren Stühlen sitzen. Es ist so, als hätte Gott eine Tür geöffnet und die von Demenz betroffenen Menschen zurück ins…

Vertrauen

Vertrauen

Dass die Sonne aufgeht. Darauf kann man vertrauen! Dass es ergiebiger ist, an Gott zu glauben als nichts zu glauben, denn das Nichts hat nicht viel zu bieten! Dass Radfahren auch ohne Stützräder funktioniert. Dass es Rettung gibt – manchmal ganz unverhofft. Dass das Leben freundlicher wird, wenn man beschließt, den Ärger und die Enttäuschungen zu begraben. Dass die Sterne auch dann da sind, wenn man sie nicht sieht. Dass die Ferien schön werden, auch wenn man nie vorher sagen kann, wie es genau werden wird. Dass wir aufbrechen.  Dass…

Aufbruch!

Aufbruch!

Bis 2005 wurde die ökumenische Communauté Taizé von Frère Roger geleitet. Nach dessen Tod fehlte nicht nur dessen versöhnungsstiftendes Charisma, sondern es verstärkte sich nach 2005 der Eindruck, dass die von Frère Roger bis dahin betonte ökumenische Einheit in Taizé nun einer unterschwelligen Akzentuierung der konfessionellen Verschiedenheit „geopfert“ wurde. Jetzt schreiben wir das Jahr 2017 und ich lese mit großer Freude den Jahresbrief von Taizé „Gemeinsam Wege der Hoffnung öffnen“. In diesem Brief liest man Sätze wie diese: „Müssten die Kirchen nicht den Mut haben, sich unter ein und dasselbe…

Ostern – Pastor Okke Breckling-Jensen

Ostern – Pastor Okke Breckling-Jensen

Was ist Ostern für mich? Ich sehe in Ostern eine wundervolle Liebesgeschichte: Eine Liebesgeschichte zwischen Gott und Mensch. Zwischenzeitlich sah es ja nicht gut aus: Selbst Jesus mit seiner intensiven, unzerstörbar erscheinenden Gottesbeziehung schrie: Mein Gott, warum hast du mich verlassen?! Man kennt das aus Hollywoodfilmen, das Ende der Liebe scheint nah und man erwartet trotzdem ein Happyend. Und genau dieses Happyend feiern wir zu Ostern: Maria Magdalena erkennt Jesus im Garten. Und schon geht diese Liebesgeschichte zwischen Gott und uns Menschen weiter, denn ein Happyend ist es nicht: Kein Ende der Liebesgeschichte…