Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Altenholz

Dünnhäutig

Wort zum Sonntag

Die Nerven liegen blank, jedenfalls deutlich mehr als zu normalen Zeiten: Da sprach mit einem guten Bekannten über ein Thema, und einen Tag später bekam ich einen aufgebrachten Anruf von ihm. Was mir einfiele… Und ich gab zurück: So nicht!!! Zum Glück konnten wir das gut klären, sind froh, dass wir uns durch solche Missverständnisse nicht auseinander bringen lassen. Diese Zeiten verlangen uns viel ab: Wer nicht geimpft ist, beneidet diejenigen, die stolz und froh von ihrem ersten Termin erzählen (hat gar nicht weh getan) und denkt sich: Wen interessiert das. Die bereits Geimpften spüren, dass es nun deutlich voran geht, was die Ungeimpften nun gar nicht nachvollziehen können. Wir sind dünnhäutig geworden, keine Frage. Dinge, die uns sonst kalt gelassen hätten, kommen uns nun bedenklich nahe. Das dicke Fell vergangener Tage ist uns abhandengekommen.

Vielleicht ist das auch eine Chance? Durch die dünne Haut auch die Not der anderen wahrnehmen, das Elend derjenigen, denen es schlechter geht als uns? Den eigenen Egoismus hinterfragen?  Wieder Verständnis entwickeln für diejenigen, die unsere Solidarität brauchen?! Für die Jugendlichen, denen wichtige Bausteine ihrer Entwicklung fehlen. Für die Alleinerziehenden, die unter der Mehrbelastung zusammenbrechen. Für die vielen, die in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht sind.

Dafür lohnt es sich, dünnhäutig zu werden. Und jetzt erwarten Sie bestimmt ein passendes Bibelzitat für dieses kirchliche Wort zum Sonntag, nichts einfacher als das. Im 2. Brief des Johannes heißt es: „Wir sollen einander lieben.“

Ein liebevolles Wochenende!

Okke Breckling-Jensen