Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Altenholz

Impulse zur Passionszeit

7 mal Innehalten.

7 Wochen Impulse zur Passionszeit.

7 mal begleitet von Musik.

7 Wochen mittwochs ab 19 Uhr.

„Habt Mitleid, wie auch Gott mit euch leidet.“
Die Jahreslosung 2021 aus dem Lukasevangelium ermutigt uns, unsere Mitmenschen in den Blick zu nehmen.
Ich denke an die Menschen, die sagen „Ich vermisse die Umarmungen.“ An die, die zu einem Großteil Angst vor der Zukunft haben.  An die, denen Entscheidungen abgenommen werden. An die, die sagen „Nach der Schule bin ich immer allein.“.

Denn „die“ sind viele. Für 81% der Kinder und Jugendlichen sieht die Freizeitgestaltung seit einem Jahr anders aus. Jedes dritte Kind fühlt sich einsam. Freude und Streit wird mit einer ganz kleinen Gruppe geteilt. Einer Gruppe, die sich an einer Hand abzählen lässt und die man sich nicht selbst ausgesucht hat.
Wie Kinder und Jugendliche sich zur Zeit fühlen, zeigen die JuCo und KiCo-Studien aus Hildesheim.
Diese Studien weisen auf eine ganz wichtige Sache hin: Kinder und Jugendliche brauchen gerade jetzt Menschen, die sich für sie stark machen.

Um das stark machen vor Ort zu verwirklichen, wie wäre es mit einer dieser Möglichkeiten:
So sehr es stört, nicht mal einen Tag ungestört ein Buch lesen oder die Fernsehserie sehen zu können – den Ärger über die hüpfenden und tobenden Kinder in der oberen Wohnung runterschlucken.
Geschichten für die Kinder des Nachbarn vorlesen – über Videokonferenz oder per Sprachnachricht.
Morgen Nachmittag einfach mal an der Türe klingeln und fragen, ob die jungen Leute mit auf einen Spaziergang kommen.
Das übergebliebene Kartonpapier zusammen sammeln und mit einer kleinen Bastelidee an eine bekannte Familie geben.
Es gibt noch mehr Ideen? Dann gerne kommentieren, damit wir alle etwas davon haben.

Um es mit den Worten der Jahreslosung aus der Volxbibel-Übersetzung zu sagen: „Ihr müsst so liebevoll drauf sein wie Gott“
+++Hinweis +++ Dank einer aufmerksamen Person, erfolgt zumindest eine schriftliche Korrektur des gesprochenen Wortes: Vor 1700 Jahren wurde erstmals jüdisches Leben in Deutschland erwähnt.+++Hinweis+++

Es gibt etwas zu feiern: Vor 1700 Jahren wurde erstmals jüdisches Leben in Deutschland erwähnt. 
Oder jedenfalls in dem Gebiet, dass heute Deutschland ist.
Grund zu feiern: Deutsche Kultur, deutsches Leben ist nicht vorstellbar ohne die vielfachen jüdischen Einflüsse. Jüdisches Leben ist eine Riesenbereicherung, schon immer gewesen. Und heute genauso.
Und dabei geht es mir nicht alleine um die Gedenkkultur.
Sondern um die lebendigen jüdische Einflüsse heutzutage. Musik, Theater, Kunst, Literatur, Politik: In allen Bereichen!
Ja, das ist ein Grund zu feiern.
Und dann: In einer Radionachricht der Bericht über einen Prozess gegen einen Mann, der vor einer Synagoge einen Mann mit einer Kippa, der hineingehen wollte, niederschlug. Aber, so hieß es in dem Bericht, es handle sich nicht um einen antisemitischen Überfall. Um was denn sonst?
Wenn jüdische Mitbürger aus Angst vor Überfällen keine Kippa, also ihre traditionelle Kopfbedeckung tragen, oder ihre Kette mit dem Davidsstern unter dem Pullover tragen, dann ist hier etwas falsch im Lande.
Und so sind wir doch wieder beim Thema: Leiden in der Welt. Wenn Coronaleugner auf einer Demo den Judenstern tragen, um anzudeuten, dass sie heute genauso verfolgt werden wie die Juden unter den Nazis: Dann leide ich unter dieser unglaublichen Mischung aus Dummheit, Frechheit und Ignoranz. 
Juden und Christinnen, Muslime und Atheistinnen: Wir, und noch viele mehr, sind alle ein Teil dieses Landes.
Das musste einmal gesagt werden!
Hinweis: Das Lied ist im Video falsch angegeben. Die Melodie ist von Ignace de Sutter 1964. Der Text des Liedes „Holz auf Jesu Schulter“ aus dem Evangelischen Gesangbuch der Nordkirche, Nummer 97, ist angelehnt an das niederländische „met de boom des leevens“ von Willem Barnard von 1963.
Impuls: Das Leid und die Welt
Die aktuelle Pandemie mit all ihren Auswirkungen nimmt zurecht einen großen Raum in der Berichterstattung, in unseren täglichen Abläufen und unserer Gefühls- und Stimmungslage ein. Da das Corona-Virus uns unmittelbar bedroht, nehmen wir diese Bedrohung auch unmittelbar wahr. Wir erkennen und fühlen, welches Leid durch Einschränkungen und Erkrankungen durch das Virus entstehen kann.
Aber was ist mit dem Leid, welches durch andere Ursachen ausgelöst wird? Nehmen wir noch wahr, dass es solches Leid auch gibt? Wird in der öffentlichen Berichterstattung, aber auch in uns selbst, genug Platz dafür eingeräumt?
Egal, wie die Antworten ausfallen, wir sollten gemeinsam dafür Sorge tragen, dem Leid in der Welt etwas Raum zu geben. 
Zurzeit gibt es 18 Kriege und bewaffnete Konflikte in der Welt, mit unzähligen Toten, Verwundeten und Geflüchteten. Auf fünf von sieben Kontinenten werden bewaffnete Konflikte ausgetragen, mit all den bekannten Folgen. Allein in Mexiko starben im sogenannten „Drogenkrieg“ im letzten Jahr über 30.000 Menschen. Auch hier in Europa ist der Ukraine-Konflikt immer noch nicht gelöst und verursacht weiterhin Leid und Vertreibungen. Die Bürgerkriege in Syrien, Afghanistan, Jemen und Somalia sind ebenfalls noch nicht geschlichtet und haben Auswirkungen bis zu uns nach Schleswig-Holstein. Wir nehmen die Auswirkungen wahr, wenn wieder neue Geflüchtete zu uns kommen, wenn sie Schutz, Sicherheit und Frieden suchen – und bei uns finden. 
Wo Leid entsteht muss Hoffnung und Liebe entgegengesetzt werden. Gottfried Wilhelm Leibniz sagte einmal, dass Gott die „beste aller möglichen Welten“ erschaffen hat. Warum gibt es dann so viel Leid auf dieser Welt? Dazu führte Leibniz aus, dass unsere Welt nicht vollkommen sein kann – denn nur Gott selbst sei vollkommen. Eine vollkommene Welt wäre nur eine Kopie Gottes gewesen, aber eben nichts Neues. 
Für diese „beste aller möglichen Welten“ müssen wir uns mit aller Kraft einsetzen. Wir müssen Krieg, Flucht, Armut und Hunger bekämpfen. Es liegt an uns, die Welt besser zu machen und nicht an Gott. Aber der Glaube an Gott wird uns dabei helfen.
Sebastian Baltz
Eine Psychotherapeutin, die mit Magersüchtigen zu tun hat, schrieb folgendes: Ich bin nicht radikal. Aber ich kann die Augen nicht verschließen vor der Dressur des weiblichen Körpers. Der Kontrollwahn der Medien schlägt ihm erbarmungslos entgegen. Diese Dressur erfolgt zur besten Sendezeit in Germanys Next Topmodel. Mit angehaltenem Atem sehe ich junge, lebendige Frauen, die ihren Körper und ihr Aussehen den Vermarkungswünschen der Modeindustrie anzupassen haben. Diese Sendung ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Gnadenlos und beinahe bösartig wird der weibliche Körper bewertet und zensiert. Die Maßstäbe dieser Beurteilungen werden in unsere Köpfe eingepflanzt. Sie besagen, dass unsere Körper nie schön genug, nie jung genug, nie schlank genug und nie sexy genug sind. Täglich werden wir mit der Botschaft angegriffen: DÜNN Sein! PERFEKT SEIN!
Als ich das las, kam mir – so nenne ich sie hier – Janna in den Sinn. Vor einigen Jahren besuchte ich sie in der Kieler Psychiatrie. Janna wog nur 36 kg. Ich musste zweimal hinsehen, um die Janna zu erkennen, die ich zuvor kannte. Ihre Haare waren dünn und teilweise ausgefallen. Mit ihren extrem dünnen Beinen und Armen kam sie mir mit einem rollenden Tropfständer entgegen. 35 kg sei die Grenze, sagte die Ärztin. Danach könne sie nichts mehr ausschließen.
Mich hat der Besuch wochenlang danach beschäftigt. Bei Janna ist es gut ausgegangen. Vor fünf Jahren hat sie geheiratet. Sie hat gerade noch die Kurve gekriegt. Zurück ins Leben.
Andere jedoch haben es nicht geschafft. Ihre Eltern habe ich vor Augen. Sie leiden bis in die Gegenwart am Tod ihrer Tochter oder ihres Sohnes.
Ihnen widme ich diese Andacht und bette ihr Leid in diesen Satz: „Gott ist die Liebe. Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“
Impuls zur Passion (Dirk Große)
Mit einem Impuls von Angela Huber-Große zum Weltgebetstag und Musik, gespielt von Cornelius Kellner.
Mit einem Impuls von Lillemor Schnorr zur Schule in heutigen Zeiten und Musik, gespielt von Cornelius Kellner.

Am Aschermittwoch begann die siebenwöchige Passionszeit. Wir bieten anlässlich dieser Zeit über unseren YouTube-Kanal jeden Mittwoch einen Impuls zur Passionsandacht. Verfolgen Sie mit uns einen Gedankengang begleitet von stimmungsvoller Musik.

Wir hatten geplant, an allen Mittwochen bis vor Ostern das Thema „Leiden in der Welt“ zu thematisieren. Wie so vieles in den vergangenen Monaten wurden unsere Pläne wegen der Pandemie über den Haufen geworfen.  Das muss jedoch nicht bedeuten, dass unser Vorhaben „ausfällt“.

Ihre/ eure Okke Breckling-Jensen, Dirk Große und Linda Schiffling