Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Altenholz

Geborgen

In diesem Jahr stehe ich auf der anderen Seite. Auf der Seite der Trauernden. Die Tage im November 2019 werden lebendig. Mein Vater nach zwei Operationen angeschlagen ans Bett gefesselt. Entkräftet, ausgelaugt, mitunter verzweifelt, immer noch am Organisieren und Planen. Mein Vater, der „Macher“, verlor mit jedem Tag Kraft und seine ihm eigene Selbstbestimmtheit. Nicht selten war er ungehalten über seinen Zustand. Aber in diesen Tagen geschah auch etwas Wunderbares: Versöhnung. Am 27. November verstarb er.  

Bei der Verlesung der Verstorbenen an diesem Ewigkeitssonntag wird auch mein Vater genannt werden. Dass für ihn eine Kerze angezündet wird, empfinde ich tröstlich, weil dieses Licht nur für ihn leuchtet und zugleich über den Tod hinausweist. Dass mein Kollege liebe-volle Worte in seiner Ansprache finden – und darin mein Vater eingebettet sein wird, wird dem Tag bei aller Trauer viel Wärme geben. Dass „meine“ Kirche an diesem Tag den Horizont weitet und all unsere Trauer mit Zuspruch und Liebe umarmt, wird mir und allen Trauernden guttun. Diese Worte eines Liedes spannen ein Trapez für unsere verwundeten Seelen: Du bettest die Toten in feine Farben, Farben der Liebe und salzige Tränen. Das Lächeln des Lebens, die Last der Tage, in deiner Hand ruht, was war, was ist, bleibt.“

Mein Vater ist von guten Mächten wunderbar geborgen. Ich bin es auch. Wir alle sind es!

Dirk Große, Pastor