Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Altenholz

Weihnachten – der Gegenentwurf!

„Die Nacht ist schon im Schwinden, macht euch zum Stalle auf!
Ihr sollt das Heil dort finden, das aller Zeiten Lauf,
von Anfang an verkündet, seit eure schuld geschah.
Nun hat sich euch verkündet, den Gott selbst ausersah.“

Jochen Klepper hat dieses Lied 1938 für die Weihnachtszeit gedichtet. 1938! Mich berühren diese wenigen Worte, weil ich mir den historischen Kontext dieser Zeit bewusst mache. Das Unheil der Nationalsozialisten unter Hitler hatte bereits seinen furchtbaren Lauf genommen. Menschen, die der Ideologie der Nazis nicht folgten, wurden verfolgt, niedergeschlagen und mundtot gemacht. Klepper, verheiratet mit einer Jüdin, war selbst Opfer. Er verlor seinen Beruf als Redakteur im Rundfunk. Er stand unter massivem Druck, sich von seiner Frau zu trennen. Er tat es nicht. Er blieb sich, sowie seinem Glauben treu. In dieser Bedrängnis schreibt er sein Lied (EG 16,3). Es ist ein Gegenentwurf zum Irrsinn, sowie den sich auftuenden Abgründen in seiner Lebenswelt.

Weihnachten ist bis heute: der Gegenentwurf!

Davon werden alle Gottesdienste an Weihnachten erzählen. Wir zeichnen keine „Friede-Freude-Eierkuchen-Welt“, wir erzählen von Gott, der in einem Kind zur Welt kommen will, um dieser Welt mit der Geburt eines Neugeborenen Hoffnung, Liebe und darin einen neuen Anfang zu schenken. Wir brauchen gerade in schwierigen Zeiten diese Hoffnung und Liebe – als Rückenwind und als Ermutigung.

„Heute geht aus seiner Kammer, Gottes Held, der die Welt, reißt aus allem Jammer. Gott wird Mensch dir, Mensch zugute, Gottes Kind, das verbindt sich mit unserm Blute“, dichtet Paul Gerhard unter dem Eindruck des dreißigjährigen Krieges sein Weihnachtslied (EG 36,2). Weihnachten wird nicht weichgezeichnet, sondern findet mitten in dieser so häufig erschütterten Welt statt. Mir fallen viele Erschütterungen unserer Wirklichkeit ein. Aber weil ich mich von Gott seit dem Bethlehemereignis gemeint und geliebt weiß, gehe ich in den Alltag, lächele der einsamen Frau zu und segne den dementen 87Jährigen und taufe den 27jährigen Flüchtling aus dem Iran. Und singe: „Nun singet und seid froh.“  Wir werden neu geboren, weil Gott sich Weihnachten in unsere Seelen hineinerzählt.

Frohe und gesegnete Weihnachten!

Dirk Große, Pastor