Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Altenholz

Wärme

Im September habe ich meinen Vater so oft wie möglich in einem Hamburger Krankenhaus besucht. Mein Vater war sehr dünnhäutig. Die Unruhe, die ständigen Fragen, Untersuchungen und Schmerzen kratzten an seinem Nervenkostüm. Einmal öffnete sich die Tür und ein farbiger Krankenpfleger sagte in feinstem Deutsch freundlich: „Hallo Herr Große, ich soll Sie auf eine andere Station bringen. Ich packe mal Ihre Sachen zusammen.“ Ich konnte in den Gesichtszügen meines Vaters erkennen, was in ihm vorging. „Hier geht’s ja zu wie im Taubenstall. Kann man mich nicht mal in Ruhe lassen!!!“ Der farbige Krankenpfleger antwortete mit einem verschmitzten und warmen Lächeln: „Wir machen einfach einen kleinen Ausflug.“ Schon hatte er meinen Vater gewonnen.

Zwei Tage später sah ich eine ebenfalls farbige Frau den Flur reinigen. Sie sang dabei und bewegte ihre breiten Hüften mit tanzenden Bewegungen über das Linoleum. Spontan ging auch ich in tanzende Weise über. Sie grinste mich an, legte ihren Besen aus der Hand und öffnete die Arme, um mich zum Tanz aufzufordern.

Drei Wochen bin ich beinahe täglich im Amalie Sieveking Krankenhaus ein und aus gegangen und vielen Menschen begegnet, die dort arbeiteten. Mindestens die Hälfte des Personals hatte einen Migrationshintergrund. Die Integration von diesen Menschen ist weiter, als viele denken. Ohne sie würden Krankenhäuser und Pflegeheime bei uns gar nicht mehr funktionieren. Aber das Schönste daran ist: sie bringen so viel Wärme in diese Häuser. Es ist ein Segen!