Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Altenholz

Worte zwischen Himmel und Erde

Auf einer Jugendfreizeit vor über 10 Jahren sprang Andi in seiner athletischen Sportlichkeit über eine hohe Mauer. Wir waren alle sehr beeindruckt. „Eh Alter. Das ist ja echt krass“, kommentierte Mads diesen Sprung. Nur Andi ließ sich nicht blicken. Er war beim Aufkommen hinter der Mauer unglücklich nach hinten gefallen und mit dem Hinterkopf auf einen großen Stein geknallt. Bewegungslos fand ich ihn dort liegen. Der herbeigerufene Notarzt rief mit ernster Miene den Rettungshubschrauber. Kurz bevor Andi nach Eppendorf geflogen werden sollte, bat er mich: „Dirk, kannst du noch ein Gebet für mich sprechen!“

Neulich traf ich ihn in der Ostseehalle. Wir unterhielten uns über den damaligen Unfall. „Weißt du noch, wie du im Hubschrauber für mich gebetet hast? Das war echt wichtig. Ich wusste danach, dass mir nichts Schlimmes passieren würde.“ Ich erinnere mich nicht mehr an die Worte meines Gebets. Ich weiß allerdings, dass ich unter dem Beten selbst ganz ruhig geworden war.

Warum beten wir? Wann beten wir? Was bewirkt das Gebet?

Katrin war vor vier Jahren im französischen Taize. Zusammen mit 1000 jungen Menschen aus aller Welt sang sie in der Kirche zum Abendgebet die schönen Taize-Choräle. Diese Choräle sind gesungene Gebete. An jenem Abend sang sie u.a.: „Gott ist nur Liebe. Wagt für die Liebe alles zu geben. Gott ist nur Liebe. Gebt euch ohne Furcht.“ Neben ihr sang ein junger Mann aus Belgien. Die beiden lernten sich kennen und lieben. Leo hat in Belgien seine Zelte abgebrochen und hat es gewagt, nach Hamburg zu ziehen. Zu Katrin. Heute heiraten sie.

Was lässt uns beten in diesen Tagen? Ich werde für den Frieden beten, weil wir 73 Jahre nach Ende des Weltkrieges Gefahr laufen, wieder vermehrt populistischen und nationalistischen Parolen zu folgen. Ich werde auch für unsere schwerkranke Freundin beten.

Manchmal zünde ich für einen Menschen eine Kerze an. Das Licht wird dann zum Gebet.