Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Altenholz

Wort zum Sonntag

Wort zum Sonntag

Wort zum Sonntag

Neues Leben Seit drei Jahren hatte Herr P. seine Unterkunft nicht mehr verlassen. Obwohl er erst 67 Jahre alt ist, lebt er seit 2013 im Pflegeheim. Das Schicksal von Herrn P. hatte mich nach unserer ersten Begegnung sprachlos gemacht. Nach dem Tod seines Sohnes war seine Ehe zerbrochen. Der zweite Sohn starb an den Folgen eines Aneurysmas vor 20 Jahren. Danach erkrankte Herr P. an Parkinson und wurde mit 54 Jahren als Krankenpfleger berufsunfähig. Inzwischen vermag er nicht mehr zu schreiben. Zu zittrig sind seine Hände. „Wie geht es Ihnen,…

Wort zum Sonntag

Wort zum Sonntag

Chance der Bärenraupe, über die Straße zu kommen Keine Chance. Sechs Meter Asphalt. Zwanzig Autos in einer Minute. Fünf Laster. Ein Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk. Die Bärenraupe weiß nichts von Autos. Sie weiß nicht, wie breit der Asphalt ist. Weiß nichts von Fußgängern, Radfahrern, Mopeds. Die Bärenraupe weiß nur, dass jenseits Grün wächst. Herrliches Grün, vermutlich fressbar. Sie hat Lust auf Grün. Man müsste hinüber. Keine Chance. Sechs Meter Asphalt. Zwanzig Autos in einer Minute. Fünf Laster. Ein Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk. Geht los ohne Hast. Ohne Furcht. Ohne Taktik. Fünf Laster.…

Aushängeschild

Aushängeschild

Unsere Tochter Antje verbringt ihr freiwilliges, soziales Jahr (FSJ) seit sechs Monaten in Indien. Was sie uns seitdem über dieses riesige, bevölkerungsreiche Land mit seinen 1,2 Milliarden Menschen berichtet, empfinde ich bereichernd und faszinierend.Antje schrieb vor einigen Wochen: „Mich begeistert die Offenheit und Hilfsbereitschaft der Menschen, die faszinierende Kultur, die unglaublich chaotisch wirkenden, aber dennoch funktionierenden Großstädte“. Uns ist dieser Subkontinent Indien inzwischen sehr nah gekommen. Antje ist mit ihren Erfahrungen zur Botschafterin für dieses bunte, lebendige und atemberaubende Land geworden. Ajit war für ein FSJ in September 2016 nach…

Wort zum Sonntag

Wort zum Sonntag

Hallo, Onkel Franz, ich habe mich sehr über deinen Brief gefreut, man bekommt ja so selten richtige Post, also aus Papier. Gleichzeitig hat mich das, was du geschildert hast, traurig gemacht. Und wütend. Und hilflos. Ich kann es ja verstehen, dass manche Deutsche unsicher sind, weil viele hilfesuchende Menschen aus anderen Ländern, mit anderer Sprache, Kultur und Religion zu uns gekommen sind. Dass im Bus so viele Ausländer sitzen, mag ja ungewohnt sein. Aber zu sagen, die sollte man in die Boote setzen, mit denen sie übers Mittelmeer gekommen sind,…

Wunder des Lebens

Wunder des Lebens

Die Frau hat 10 Enkel. Und nun: ihr erstes Urenkel. Sie trägt das 2847 g leichte Leben sanft als einen unendlich kostbaren Schatz. Ihre Augen spiegeln Freude, Wärme, Staunen, Berührung und vor allem: Dankbarkeit. Mit ihren 87 Jahren hält sie nun das für sie größte Geschenk in den Armen. Keine Frage: Julia ist ein Wunder. Ein Geschenk des Himmels. Das zarte, kleine Mädchen ist zum Segen für die Urgroßmutter geworden. Das Kind, das sie hält, ist zu einer Begegnung mit Gott geworden. Noch ein Wunder! Vor 15 Jahren erkrankte Frank.…

Erhobenen Hauptes

Erhobenen Hauptes

Seit einiger Zeit kommt es mir vor, als würde die Welt sich massiv in die falsche Richtung drehen: Intoleranz, Fundamentalismus, Nationalismus, Populismus, Terrorismus, immer stärkeres Misstrauen gegen: Die da oben, die Presse, die Kirche, Parteien, Polizei. Und dann: Haben wir in Osdorf, mitten im Dänischen Wohld einen wundervollen und berührenden Gottesdienst gefeiert: Das Evangelium auf Kurdisch und Deutsch, ein sehr gut gespieltes, nachdenkliches musikalisches Stück von Jugendlichen, eine Predigt, die Kopf und Herz und Seele anregte, Gebete, Texte, Musik, ein Glaubensbekenntnis einer Jugendlichen: Eine kurze Zeit, in der dem alltäglichen Wahnsinn und…

Königsspiel

Königsspiel

An einem dieser herrlichen Maitage sitze ich versunken in der warmen Abendsonne und lasse die Seele baumeln. Plötzlich höre ich Stimmen direkt hinter mir. Vier Kinder sitzen auf dem Boden und spielen ein Phantasiespiel: „Du bist die Königin!“ Also wird der „Königin“ eine Krone aus Blumen geflochten. Ich lausche den Gesprächen. Die Kinder sind so tief in ihr Spiel versunken, dass sie nicht mitbekommen, wie ich sie beobachte. Durch nichts lassen sie sich in ihrer eigenen Welt stören.  Eine halbe Stunde schaue ich dem Königsspiel fasziniert zu. „Nun muss die…